Kleidungs-Stück

Besondere Stücke und ihre Geschichte


Montag, 14. Juli 2014

Il pleure dans mon coeur comme il pleut sur la ville...

Übersetzt heißen diese Zeilen aus einem Gedicht von Paul Verlaine: es weint in meinem Herzen, wie es auf die Stadt regnet. Bei mir geht es heute um Tage, die sich genau so anfühlen.



Ich habe in meinem Leben oft den Satz gehört "Reiß dich doch mal zusammen", bin der Gewissheit gefolgt, dass es sich nicht gehört, Trübsal zu blasen, wenn es einem doch eigentlich gut geht und man allen Grund hat, fröhlich und dankbar zu sein.
Es gehört zu den wunderbarsten Errungenschaften meines leicht fortgeschrittenen Alters, dass ich mich genau von diesem Unsinn frei gemacht habe. Traurigkeit ist genauso ein legitimes Lebensgefühl wie Glück und hat rein gar nichts mit Undank oder Unzufriedenheit zu tun. Dies gehört zu der Dialektik, ohne die ein ganzheitliches Fühlen gar nicht möglich wäre: kein Glück ohne Unglück, keine Liebe ohne Schmerz, keine Leichtigkeit ohne Schwermut. Heutzutage empfange ich meinen Blues, wenn er kommt, wie einen alten Freund, den ich zwar nicht eingeladen habe, dessen Anwesenheit ich aber als etwas Selbstverständliches erachte und der mit Respekt und Wertschätzung behandelt wird. Dazu gehört zum Beispiel, dass ich ihn nicht verleugne, ihn nicht überspiele und mich seinetwegen nicht Schäme oder ein schlechtes Gewissen habe.
Am besten lassen sich solche Stimmungen natürlich ganz allein ausleben, eingekuschelt in ein gemütliches Kleidungs-Stück, entspannt an einem Ort, an dem man sich wohl fühlt. Mir gefällt das Bild, dass man sich in seinen Weltschmerz ruhig mal einwickeln kann, wie in ein weiches Tuch. Deswegen zeige ich euch heute einen Schal, welchen meine Mutter vor ein paar Jahren nach meinen Wünschen für mich genäht hat. Unten haben wir eine schwarze Seide ausgesucht, darüber hat sie einen schimmernden Chiffon genäht. So ist das gute Stück griffig, aber gleichzeitig auch hauchzart und weich. Es ist ein ganz wunderbares Tröst-Stück, das mich umgibt und umhüllt, wenn mal alles doof ist.
Ich habe auch sonst auf jeglichen Styling-Schnickschnack verzichtet und mich dafür lieber für eine authentische Variante entschieden.

Und zum Abschluss dieses Posts finden alle Interessierten hier das ganze Gedicht von Verlaine. Es geht darin um genau diesen namenlosen Schmerz, der sich unserer manchmal bemächtigt.









Kommentare:

  1. Liebe Bianca,
    ich bin wirklich ein glücklicher Mensch, denn zum allergrößten Glück sind alle gesund und wir haben auch sonst keine Sorgen. Dafür bin ich natürlich auch Dankbar und so habe ich auch keinen Grund "von außen" mich schlecht zu fühlen. Das entspricht auch gar nicht meiner Natur. Aber: graue, dunkle, Wolkenverhangene Tage legen mir fast immer ein melankolisches Gefühl um die Schultern, so wie Du Deinen Schal trägst. Das sind die Tage, die ich am liebsten schlafend verbringe. Meinem kleinen Sohn geht es neuerdings genauso. Ich seh es ihm schon an, wenn er heimkommt, dass er so fühlt, wie ich. Interessant ist, dass das "die anderen" gar nicht verstehen und wir da auch so nicht drüber sprechen. Er hat es mir unlängst um Worte ringend erzählt. Und war dann ganz erleichtert, als ich sagte, dass ich diese Gefühle zu gut kenne.
    Komm gut durch den Rest der Woche. LG Sunny

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    1. Liebe Sunny,
      jetzt kannst du deinen Sohn zusätzlich beruhigen, denn hier werden sicher noch einige kommentieren, die dieses Gefühl nur zu gut kennen...
      Ich merke auch, dass das Wetter Einfluss auf meine Gemütslage hat. Es sind aber auch andere Faktoren und nicht immer liegen sie auf der Hand.
      Ich freue mich sehr, dass du dich als glücklichen Menschen empfindest. Das strahlst du für mich auch total aus!
      Liebe Glücksgrüße an dich! Bianca

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  2. Eine schöne traurige Geschichte. Ein schönes Kuschelschal kann solche Momente aushaltbarer machen. Das verstehe ich nur zu gut.
    Kuschelzarte Grüße sendet Dir
    Ines

    PS Danke für die Chapta-Abschaltung hier

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    1. Liebe Ines,
      wenn mich irgendwer schon früher auf diese grässliche Tschäpta-Klamotte aufmerksam gemacht hätte, hätte ich ja längst...
      Selten sind kuschelzarte Grüße so zur rechten Zeit gekommen!
      Selbige auch zurück an dich! Bianca

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  3. Leider kann man nicht immer vor Freude und Glück schreien. Wie du schon sagst, Traurigkeit gehört zum Leben dazu. Aber manchmal ärgere ich mich, wenn ich grundlos schlecht drauf bin. Dann halte ich mir vor Augen, wie gut es mit doch eigentlich geht und das baut mich auch wieder auf.
    Schön wie du diesen Gemütszustand auf deinen Fotos wiedergibst. Und der Schal den deine Mutter für dich genäht hat, ist ein sehr edles Teil.
    Grüße Cla

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    1. Liebe Cla,
      mir gelingt es nicht immer, mich damit aufzubauen, indem ich mir vorhalte, wie gut es mir geht. Obwohl das wirklich der Fall ist und ich dafür unheimlich dankbar bin. Es war gar nicht schwer, diesen Zustand auf den Fotos wiederzugeben, ich habe nämlich einen Tag abgewartet, an dem es echt war. Den Post hatte ich dazu schon geschrieben;-)
      Heute geht's mir aber sehr gut und entsprechen fröhlich sind meine Grüße an dich!
      Bianca

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  4. Ja, ich kenne das auch ... - glücklicherweise bin ich selten grundlos traurig (tristes Wetter zieht jedoch auch meine Stimmung häufig runter) , dafür aber "grundlos" besorgt, gestresst, genervt etc. Wenn's ganz schlimm ist, möchte ich immer am liebsten ins Bett und die Decke über den Kopf ziehen. Mach' ich aber nicht. Bin schon eher der "Reiß-Dich-zusammen"-Typ.

    ALLERDINGS: Wenn mich irgend etwas zum Weinen bringt (was schneller geht als mir lieb ist - bin sehr nah am Wasser gebaut), dann kann ich es leider überhaupt nicht mehr kontrollieren oder gar "verschieben". Da ist dann rein gar nix mehr mit Zusammenreißen, was mir in meinem Leben schon sehr, sehr oft sehr, sehr unangenehm war. Naja, bei mir weiß immerhin jeder gleich, was Sache ist. ;)

    Schöne, melancholische Bilder sind das ...
    ❤ Gunda

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    1. Liebe Gunda,
      bei mir kommt es ja zum Glück auch nicht oft vor. Ich wollte eigentlich vor allem darauf hinaus, wie ich damit umgehe. Wahrscheinlich hat es viel mit Erziehung zu tun. Haben deine Eltern dir gesagt, du sollst dich zusammenreißen?
      Was das Weinen angeht, da bin ich eigentlich immer total tough gewesen. Aber seit ich Kinder habe, bin ich irgendwie aufgeweicht... Sobald irgendwo ein schweres Kinderschicksal auftaucht, brechen die Dämme!
      Na, zum Glück bringe ich dich nicht zum Weinen, sondern hoffentlich ab und zu mal zum Schmunzeln;-)
      Viele liebe Grüße zu dir! Bianca

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  5. Hallo Bianca, schöne Zeilen, auch wenn sie Trauriges ausdrücken. Die Traurigkeit, die irgendwo da drinnen wohnt und gelegentlich zu Tage tritt, kenne wohl die meisten von uns. Und wer hoch fliegen kann, der kann bekanntlich auch tief fallen - wie ich beispielsweise. Das gehört zu meinem Naturell und zu mir - und ich gebe dir recht, inzwischen kann ich das deutlich besser akzeptieren als vor einigen Jahren. Denn sonst würde es die unendliche Freude, die ich oft verspüre, auch nicht geben.
    Der Schal steht dir ausgezeichnet, genau deine Farben.
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Hallo Andrea,
      in der Tat ist es eine Frage des Naturells, ob man emotionale Höhen und Tiefen empfindet oder eher so ein "in seiner Mitte"-Typ ist. Früher habe ich letztere oft beneidet, jetzt weiß ich zu schätzen, dass ich ein Mensch bin, der in beide Extreme empfinden kann. Es scheint mir, als lebte man auf diese Weise intensiver. Natürlich aber auch weniger "grundzufrieden". Alles hat seinen Preis.
      Danke, dass du einen so persönlichen Kommentar geschrieben hast!
      Herzliche Grüße von Bianca

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  6. Liebe Bianca,
    schöne melancholische Zeilen und Bilder! Auch ich kenne natürlich beide Seiten - mir fällt allerdings auf, dass - je älter ich werde - die Blues-Zeiten tatsächlich um vieles geringer werden, weil das Leben mir so viel köstlicher erscheint als in den Jahren, wo ich noch weitaus mehr als heute nach "etwas" gesucht habe... Ich weiß nicht, ob ich bereits "angekommen" bin - dafür "reise" ich wohl zu gern - aber ich fühl mich schon recht gut zuhause in mir selbst, das reduziert irgendwie auch die Trübsalzeiten.
    Alles Liebe
    von der Traude
    ☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼

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    1. Hallo, liebe Traude,
      das ist ein sehr interessanter Gedanke. Dass "der Trübsal" aufhört, wenn man aufhört nach etwas zu suchen... Ich hielt es bisher einfach für etwas, was in einem liegt, etwas, mit dem man untrennbar verbunden ist. Wir reden nochmal darüber, wenn ich groß bin;-)
      Ich bin froh, dass du gerne reist. Und ich dich durch deinen Blog begleiten darf!
      Eine Menge herzlicher Grüße beame ich zu dir! Bianca

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  7. Liebe Bianca, tja so ist das wohl mit Leben... alles hat zwei Seiten. Und ich kenne diese Tage auch allzu gut... Bei mir selbst kann ich damit zwischenzeitlich ganz gut umgehen - aber ehrlich gesagt, fällt es mir schwer, diese Tage bei mir nahe stehenden Menschen "auszuhalten". Früher dachte ich immer, ich muss dann als Pausenclown fungieren, oder Probleme lösen. Nein - manchmal muss man einfach nichts - einfach nur lassen... aber da übe ich noch. Vielleicht wäre es leichter, wenn ich meine Mitmenschen in Deinen hübschen Schal wickeln könnte... :-) Ein traumhaft, schönes Stück, das Dir Deine Mutter genäht hat.
    Einen schönen Abend wünsche ich Dir, herzlicher Gruß, Conny

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    1. Liebe Conny,
      danke für diesen persönlichen Einblick. Ich habe natürlich gleich darüber nachgedacht, wie ich diesbezüglich mit meiner Umwelt umgehe. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Menschen, die mir nahe stehen fast ausnahmslos sehr ausgeglichene Typen sind, die eher ein ruhiges und friedliches Naturell besitzen (mit Ausnahme meiner Kinder, aber die sind noch zu klein um "grundlosen Weltschmerz" zu haben). Das ist einerseits ein Segen, da ich nicht mit diesem "Aushalten" konfrontiert bin. Andererseits ist es auch schwierig, weil auf diese Weise ein bisschen das Verständnis fehlt und eben doch dieser stille Vorwurf "du hast doch allen Grund zum fröhlich sein!" im Raum steht.
      Mit dem "einfach nur lassen" hast du des Pudels Kern wohl schon gefunden...
      Danke für deinen schönen Kommentar, ich freue mich immer so, wenn meine Leserinnen ein bisschen von sich erzählen und es nicht NUR um Mode geht!
      Einen lieben Gruß von Bianca

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  8. Liebe Bianca,
    Dein Post stimmt mich nachdenklich. Ich kann es bei mir schlecht ertragen, dass ich niedergeschlagen oder melancholisch bin. Weniger weil ich es als Undank empfinde, eher als vertane Zeit. Ich weiß nicht warum, irgendwie muß ich mir ein "Frohsinns-Gen" antrainiert haben. Dabei hab ich natürlich auch trübe und traurige Tage. Dann schlafe ich. Es gibt Zeiten da schlafe ich viel. Vielleicht sollte ich mich meinen Gefühlen stellen, darüber denke ich nach.
    Dein Post ist wunderschön, es ist als ob Du eine Tür zu Deinem Inneren ein wenig öffnest.
    Lieben Gruß von Sabine, die Dein kuscheliges Tuch und die Bilder sehr mag.

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    1. Liebe Sabine,
      mir gefällt deine Formulierung mit der Tür zu meinem Inneren. Denn genau das ist Teil meines Blogs. Es geht hier nämlich nur in zweiter Linie um Mode. Eigentlich geht es um Persönlichkeit. Meine, aber auch die derjenigen, die hier lesen und Lust haben, auch ein Stück ihrer Persönlichkeit mit mir zu teilen. So wie du gerade. Danke dafür. Wenn es sich für dich gut anfühlt, dieses "Frohsinns-Gen" zu kultivieren, ist das eben dein Weg mit den schlechten Tagen umzugehen. Ich kann das nicht gut und auch das hat seinen Ursprung natürlich in meiner Geschichte. Ich versuche natürlich, meiner Umwelt nicht ständig zu zeigen "sehr her, mir geht es schlecht!". Aber ich nehme mir das Recht heraus, an diesen Tagen eine stillere und in mich gekehrtere Version von mir selbst zu sein.
      Danke dir sehr zu den warmen Worten über meinen Post. Darüber freue ich mich von ganzem Herzen!
      Viele, viele liebe Grüße sende ich dir!
      Bianca

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  9. Ich mag Deine offene und ehrliche Art. Wie schön, dass ich vor kurzem Deinen Blog entdeckt habe.
    Ich denke, es ist als Frau "normal", wenn man mal nicht so gut drauf ist. Ich bin zwar ein positiv eingestellter Mensch und habe überwiegend gute Laune. Wenn ich mich mal erschlagen und ausgelaugt fühle, liegt es meistens daran, dass mir Schlaf fehlt. Dann kann ich auch mal ein wenig ungnädig werden ;-). Das beste Mittel für mich ist dann, sich einfach hinzulegen und zu schlafen, sofern es die Zeit erlaubt und keine Termine anstehen. Beim Schlafen tanke ich dann wieder so viel Kraft und vor allem gute Laune.
    Ich finde die Idee mit Deinem Tuch richtig schön. Und wenn es Dein Weg ist, ist es genau richtig. Wahnsinn, wie toll Deine Mutter nähen kann. Der Schal ist ein wirkliches Schmuckstück.
    Einen schönen Tag wünsche ich Dir.
    LG
    Ari - Ari Sunshine

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    1. Liebe Ari,
      ich habe mich wirklich sehr über deine Worte zu meinem Blog gefreut. Das Kompliment über eine Offenheit und Ehrlichkeit kann ich sehr gut annehmen, denn ich denke, das sind wirklich meine Stärken. meine Mutter kann unglaublich gut nähen, stricken und sämtliche anderen handarbeitlichen Arbeiten ausführen. Leider habe ich davon so gar nichts abbekommen. Zwei linke Hände und eine große Ungeduld, sehr schlechte Kombi;-)
      Viele Grüße an dich von Bianca

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  10. Was für ein wundervolles Schätzchen dein tolles Tuch.. superschöner Glanz und Farbverlauf und du kannst es sicherlich endlos kombinieren. Es sieht richtig edel aus. So ein schönes Stück wertet gleich das ganze Outfit auf :)
    Ich habe in den letzten Jahren selten Tage wo ich mich einfach so (oft total grundlos) traurig und unzufrieden fühle. Noch vor ein paar Jahren hatte ich das öfter, ich habe jetzt auch überhaupt keine Ahnung warum das auf einmal anders ist. Hat sich im Großen und Ganzen nicht viel geändert. Es nützt auch nichts, sich 1000 x selbst vorzubeten, man soll damit aufhören, warum auch.. zu irgendetwas wird das schon gut sein. Wir sind ja schließlich nur Menschen und keine Roboter und jeder Körper braucht mal die ganze Gefühlspallette. Das macht uns doch alles erst liebenswert und sympathisch :)

    ganz viele herzliche Grüße
    Dana :)

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  11. Liebe Bianca, das Tuch hast du dann aber auch auf deinem Weg nach Compostela dabei?;-) wie ich gerade von dir bei Dana gelesen habe. Denn egal, ob betrübt oder fröhlich, du kommst immer sympathisch auf deb Fotos rüber. Eine Freundin hat mir während des Schüleraustauschs in France mal Gedichte von Baudelaire, Les Fleurs du Mal geschenkt. puh....Gerade "Ich bleib so Scheiße wie ich bin gelesen". da geht es auch u.a auch darum, dass auch nörgelige Tage zum Leben gehören. Das darf auch sein! Schön, wenn man dann noch ein Kuscheltuch hat wie du! LG Sabina @Oceanblue Style

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